Kupferstich (3.5k)
 Grafische Techniken und Methoden ZURÜCK

DER KUPFERSTICH

  Bei dieser Technik werden in die polierte Kupferplatte mit dem Grabstichel die Linien der Zeichnung eingraviert
Je nach dem mit der Hand auf den Grabstichel ausgeübten Druck, erhalten die Linien unterschiedliche Tiefe und Breite.
Der beim Stechen an den Rändern der eingravierten Linien entstandene leichte Grat wird mit dem Schaber, in Richtung des Linienverlaufs, vorsichtig entfernt. Die geschabten Stellen werden anschließend mit dem Polierstahl geglättet, so dass die Plattenoberfläche wieder einwandfrei ist. Wird der beim Stechen entstandene Grat nicht entfernt, so wirken die Linien nach dem Druck in ihrer Abgrenzung weich und leicht tonig verlaufend, ähnlich dem des Kaltnadeleffektes. Dies kann von Nutzen sein, wenn der Druck einen samtigen Ausdruckswert erhalten soll. Allerdings geht bei höheren Druckauflagen dieser Effekt langsam verloren. Um gleichmäßige Linienschraffuren zu erhalten, verwendet man Fadenstichel. Die Linienschraffur ist beim Kupferstich das einzige arbeitsgerechte Mittel zum Suggerieren von Tonwerten. Je dichter die Linienschraffur angelegt wird, umso dunkler erscheint die Fläche.

Notwendige tiefe Gravuren bedingen ein stufenweißes Stechen; d.h. die Linien werden zuerst sehr zart vorgestochen und dann mehrmals, mit immer mehr Druck, nachgestochen. Um ein sauberes, möglichst fehlerfreies Stechen zu garantieren, sollte man unter anderem darauf achten, dass niemals der Stichel seine Arbeitsrichtung verändert, sondern dass in jedem Falle, wenn nötig, die Platte gedreht wird. Als Unterlage für die Platte dient am besten ein mit Sand gefülltes Lederkissen auf einer drehbaren Basis.

Sollte aus irgendwelchen Gründen eine Korrektur notwendig sein, so kann man diese auf zwei Arten durchführen. Wenn die Linie nicht sehr tief gestochen ist und in unmittelbarer Nachbarschaft keine anderen Linien auftreten, genügt eine Korrektur mit dem Schaber. Bei tiefen Gravuren werden dicht neben der gestochenen Linie mit einem schmalen Stahlmesser in Richtung des Linienverlaufs Einschnitte gemacht und das Plattenmaterial mit einem Punzen in die Rille der Gravur getrieben. Anschließend wird die Platte auf der Richtplatte durch Hämmern der Rückseite geebnet. Bei dünneren Platten genügt manchmal nur das Schlagen mit dem Treibhammer auf der Rückseite der Platte. Als Unterlage dient ebenfalls eine Richtplatte mit glatter Oberfläche.

Für hohe Druckauflagen kann man die Kupferplatte verstahlen oder vernickeln lassen, besonders wenn sehr zarte Liniengravuren vorhanden sind.
Stichel sollten aus bestem Stahl angefertigt sein. Seit einiger Zeit werden im Handel Stichel aus HSS- Stahl und Kobalt-Stahl angeboten, die sich ausgezeichnet bewähren.
Jeder Stichel sollte in Hinblick auf das zu bearbeitende Plattenmaterial den richtigen Härtegrad aufweisen. Denn nur der dem Material entsprechende Härtegrad garantiert ein müheloses, einwandfreies Stechen. Aus der nachfolgenden Tabelle ist zu ersehen, welche Härtegrade die Stichel aufweisen müssen. Die Härtegrade können durch sog. Anlassen (Glühen) verändert werden.
Auch der beste Stichel muss von Zeit zu Zeit nachgeschliffen werden. Auf einem Ölstein feinster Körnung werden die Stichel-Kopfteile mit einer Neigung von etwa 60 angeschliffen, ohne dass die Seitenteile bearbeitet werden

Stichel werden am besten im Heft befestigt, indem man den Stichel im unteren Drittel im Schraubstock befestigt und das vorgebohrte Heft vorsichtig mit leichten Hammerschlägen auf den Stichel schlägt. Bei Stichel mit größerem Durchmesser empfiehlt es sich, den einzutreibenden Stichelteil kurz vorher leicht anzuglühen, dadurch wird ein Spleißen des Stichelheftes verhindert.

Kaltnadel (2.5k) Österreichische Grafik


DIE KALTNADEL

  Das mit Kaltnadel bezeichnete Verfahren bedingt eine Plattenbearbeitung mit verschiedenen Werkzeugen ohne Zuhilfenahme eines anderen Verfahrens. Kennzeichnend für eine Kaltnadelbearbeitung der Platte ist der durch dieses Verfahren entstehende Kaltnadelgrat auf der Plattenoberfläche.
  Die gebräuchlichen Werkzeuge für die Kaltnadel sind Radiernadel, Radierdiamant, Ziseliermeißel, aber auch Roulette, Moulette, Riffelfeilen, grobes Schmirgelleinen und Wiegestahl.
  Bei diesem Arbeitsverfahren kann man fast jedes Plattenmaterial wählen, wie Kupfer, Zink, Messing, Eisen. Im Gegensatz zum Stechen wird beim Einsatz der Kaltnadel kein Metallspan aus der Platte herausgehoben, sondern durch das Eindrücken des Werkzeuges entstehen Linien und andere Arbeitsspuren als Vertiefungen mit beiderseits aufgeworfenem Grat.
  Die eingesetzten Werkzeuge werden, wie bei keiner anderen Technik, sehr stark beansprucht und sollten deshalb aus bestem Material angefertigt sein. Radiernadeln für Kaltnadelarbeiten müssen aus einem Stück in Griffelform hergestellt sein. Die Spitze der Nadel muss in einem kurz angeschliffenen spitzen Kegel von etwa 50 enden. Spitzer angeschliffene Nadeln haben die unangenehme Eigenschaft beim Arbeiten im Plattenmaterial stecken zu bleiben. Der von der Hand auf das Werkzeug ausgeübte Druck richtet sich grundsätzlich nach dem spürbaren Widerstand des Plattenmaterials. Das Plattenmaterial sollte einen höheren Härtegrad aufweisen als er beim Stechen notwendig ist.
  Die Neigung des Werkzeuges zur Platte beträgt etwa 60 bis 70. Nur dadurch wird ein sauberer, ununterbrochener Grat aufgeworfen. Ohne weitere Plattenbehandlung kann dann Kupferdruckfarbe aufgetragen und gewischt werden.

  Beim Wischen bleiben Reste der Druckfarbe auch an den Außenseiten des Grates hängen, wodurch im Druck die Linien breiter wirken als sie den Vertiefungen im der Platte entsprechen. Außerdem ist beiderseits des Grates der Farbverlauf un-scharf, so dass die gedruckte Linie von weicher Qualität ist als eine gestochene oder geätzte Linie. Gelegentlich bildet sich beim Druck durch die Gratspitze eine feine weiße Linie ab, ein unverkennbares Merkmal für die Kaltnadel.
  Auch Flächenstrukturierungen sind beim Kaltnadelverfahren möglich. So kann man beispielsweise eine samtige, schwarze Fläche durch ein kreuzweise überlagertes Liniengeflecht erhalten. In dem samtigen Schwarz der Fläche zeichnen sich immer noch die einzelnen Linien durch ein noch tieferes Schwarz ab.
  Raster und Punkte als Flächenstruktur entstehen beim Einsatz des Rouletts, des Mouletts, des Wiegestahls oder der Riffelfeile. Mit grobem Schmirgelleinen kann man mehr oder weniger dichte Spuren auf die Platte bringen, die im Bereich der Grauwerte drucken.
Mit dem Ziseliermeißel geschlagene Linien ergeben Vertiefungen in der Platte, die sich nach dem Druck reliefartig erheben. Auch hier erscheint die Kaltnadelspur ungelenker, grober als eine geätzte Linie. Der Einfluss des Plattenmaterials kommt bei diesem Verfahren so ausgeprägt zur Wirkung, wie bei keinem anderen. Deshalb sollte man überall dort, wo ein kraftvolles, spontanes, materialbetontes Arbeiten sichtbar werden soll, das Verfahren der Kaltnadel einsetzen, auch als Mischtechnik in Verbindung mit anderen Verfahren.

Punzarbeit (1.7k) Österreichische Grafik


DIE PUNZARBEIT * (Punzieren, Punktieren)

Ein Verfahren mit Kaltnadeleffekt, bei welchem mit dem Punzierhammer, Punzenstiften oder anderen Punktierwerkzeugen in die Platte gearbeitet wird.
  Die zeichnerischen Elemente einer Zeichnung werden hierbei in einzelne Punkte zerlegt und dem Tonwert entsprechend in unterschiedlicher Dichte mit den Punzierwerkzeugen in die Platte geschlagen. Beim Einschlagen der Punkte entsteht gleichzeitig ein Grat, den man aber durch leichtes Beklopfen mit der flachen Seite des Ziselierhammers abschwächen kann.
  Dieses Verfahren wird heute nur noch in Verbindung mit anderen Verfahren, auch dann nur sehr vereinzelt, angewandt. Hingegen werden Punzierwerkzeuge häufig bei Korrekturen eingesetzt.

Mezzotinto (3k) Österreichische Grafik


DIE SCHABKUNST * (Mezzotinto)

  Zur Vorbereitung der Platte dient der Wiegestahl, mit dessen Zähnen die Platte gleichmäßig aufgeraut wird. Nach lückenlosem Aufrauen der gesamten Plattenoberfläche müsste im Druck ein gleichmäßiger, tiefschwarzer Ton entstehen.
Für die Schabkunst geeignete Platten müssen aus einem harten, zähen Material beschaffen sein. Zinkplatten eignen sich deshalb nicht für dieses Verfahren. Kupferplatten oder Platten aus Gravurmessing sind besser geeignet, nur müssen sie von höherem Härtegrad sein als Platten gleichen Materials für den Kupferstich. Wenn die Platte mit dem Wiegestahl behandelt worden ist, ist es ohne viel Mühe möglich, mit dem Schaber an den gewünschten Stellen die aufgerauten Flächen zu glätten. Der später im Druck beabsichtigte Helligkeitswert wird nur dadurch bestimmt, wie viel von dem Grat des Wiegestahls entfernt wird. Sehr helle Stellen, die sog. Lichter, werden zusätzlich noch mit dem Polierstahl behandelt. Wegen der Empfindlichkeit der Plattenoberfläche sollte man mit der Anfertigung von Probedrucken sparsam sein. Sind höhere Druckauflagen beabsichtigt, ist es ratsam, die Platte vor dem Druck verstahlen zu lassen.
  Statt des Wiegestahls können ersatzweise auch andere Werkzeuge und Verfahren eingesetzt werden, um die Platte aufzurauen. Jedoch entspricht die damit erzielte Wirkung nicht der Originaltechnik. Das tiefe, samtige Schwarz der unbearbeiteten Stellen kann durch kein anderes Verfahren erreicht werden. Trotzdem sollen hier zwei Verfahren erwähnt werden, wie auch ohne Wiegestahl die Plattenoberfläche aufgeraut werden kann. Die einfachste Lösung stellt das Aufrauen mit grobem Schmirgelleinen dar, welches man mit der Platte mit viel Druck durch die Druckpresse dreht (Drucktücher vorher herausnehmen!).
  Dies wird so oft wiederholt, bis die Platte gleichmäßig und dicht genug aufgeraut ist. Bei jedem Vorgang muss das Schmirgelleinen erneuert werden.
  Ein in die Platte gleichmäßig geätztes Aquatintakorn erfüllt den selben Zweck. Je feiner und dichter das eingeätzte Korn ist, desto leichter lässt sich schaben und polieren.

Radierung (3k) Österreichische Grafik


DIE RADIERUNG (Aquaforta)

  Im Gegensatz zum Kupferstich und zu den Kaltnadelverfahren werden bei der Radierung die tiefer liegenden Stellen der Platte geätzt.  
Verschiedene Ätzverfahren sind Voraussetzung für die unterschiedlichen Wirkungen, die man mit diesem Tieftrugsverfahren erzielen kann. Wie kein anderes Tiefdruckverfahren bietet die Radierung ein weites Spektrum künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten, wenn die technischen Eigenarten dieses Verfahrens einmal erkannt und erprobt sind. Die am einfachsten durchzuführende Technik der Radierung ist das Ätzen linearer Bildelemente in die Platte.
  Vielfach auch als manuelles Strichätzverfahren bezeichnet, unterscheidet sich dieses Verfahren wesentlich von dem Strichätzverfahren zur Herstellung von Hochdruckklischees für den Buchdruck.

  • Vorbereitung der Platte

      Als Plattenmaterial kann man Zink, Kupfer, Messing oder auch Eisen wählen. Die Stärke der Platte ist einmal abhängig zu machen von der Plattengröße, zum anderen von der beabsichtigten Ätztiefe der Linien.
      Bevor die Platte mit einer säureunempfindlichen Schicht, der sog. Radierschicht belegt wird, muss sie gründlich entfettet werden. Eine Mischung aus zwei Drittel Brennspiritus und ein Drittel Salmiakgeist, die mit Schlemmkreide zu einem Brei angerührt wird, trägt man auf die Platte auf und verreibt sie mit einem weichen Lappen oder mit Zellstoff so lange, bis die Platte wieder blank ist. Danach darf die Platte mit den Fingern nicht mehr berührt werden. Für jeden weiteren Arbeitsgang verwendet man am besten einen Plattenhalter.
      Für das Auftragen der Radierschicht gibt es mehrere Methoden, von denen hier zwei erwähnt werden sollen. Man kann die Radierschicht als Ätzgrund in fester Form (als Hüttchen im Handel) auf die erhitzte Platte dünn auftupfen und mit einer Lederwalze auf der Plattenoberfläche gleichmäßig und so dünn verteilen, dass die Schicht eine leichte Transparenz aufweist. Zusätzlich kann man die fertige Radierschicht mit einer Räucherkerze schwärzen, damit die radierten Linien, durch das hellere Plattenmaterial bedingt, gut sichtbar werden.
      Die zweite Methode ist die Verwendung flüssigen Ätzgrundes, den man mit einem weichen Haarpinsel bei schräggestellter Platte aufträgt und dann möglichst lange Zeit trocknen lässt. Schon beim Auftragen des flüssigen Ätzgrundes muss man darauf achten, dass keine Pinselhärchen oder grobe Staubteilchen auf der Platte zurückbleiben. Es ist deshalb erforderlich, dass diese Art der Plattenvorbereitung in einem staubfreien Raum vorgenommen wird. Die im Handel befindlichen Radierplatten besitzen meist eine säurefeste Rückschicht, die ein zusätzliches Abdecken der Plattenrückseite mit Asphaltlack überflüssig macht. Beim Auftragen der Radierschicht achte man aber darauf, dass die Plattenränder vollständig mit abgedeckt werden, da es sonst zu Plattenrandverätzungen kommt.

  • Das Radieren

      Der nächste Arbeitsgang ist das Zeichnen (Radieren) mit der Radiernadel. Je spitzer die Nadel angeschliffen ist, desto feiner wird der radierte Strich. Dabei wird die Nadel nur mit so viel leichtem Druck geführt, dass die Radierschicht entfernt, nicht aber das Plattenmaterial tief beschädigt wird. Eine nachträgliche Korrektur ist durch Abdecken mit Asphaltlack zu jeder Zeit vor dem Ätzen möglich. Die radierten Linien dürfen nur so dicht bei einander liegen, dass in den Zwischenräumen noch Radierschicht verbleibt (Kontrolle unter der Lupe). Der Abstand zwischen eng verlaufenden Linien sollte mindestens so groß sein wie die beabsichtigte Ätztiefe der einzelnen Linie.
      Entfernte Radierschicht stört während der Arbeit. Es empfiehlt sich deshalb, diesen feinen Radierstaub mit einem breiten weichen Staubpinsel vorsichtig zu entfernen; niemals die Hand benutzen! Um die Radierplatte während der Arbeit vor unnötigen Beschädigungen und vor Fett zu schützen, verwendet man eine Brücke, auf der die arbeitende Hand aufliegt.
      Die fertig radierte Platte kann nunmehr geätzt werden.

  • Ätzverfahren

    Die Salpetersäure

      Die Säure, die am meisten verwendet wird, ist die Salpetersäure (HN03). Sie ist zum Ätzen von Kupfer, Zink und Messing geeignet. Ihre Konzentration und Aktivität ist abhängig von ihrer Dichte (spezifisches Gewicht). Im Handel wird ihre Dichte meist noch nach den bereits veralteten Beaumé- Graden angegeben, welches oft zu Umrechnungsschwierigkeiten führt, wenn man die Dichte mit einem gebräuchlichen Aräometer, welches nur das spezifisches Gewicht angibt, nachmessen will.
      In den nachfolgenden Abschnitten wird mit Rücksicht auf eine bisherige Gewöhnung die Dichte der Säuren und der Ätzflüssigkeiten sowohl in Beaumé- Graden ( Bé) als auch mit dem spezifischen Gewicht angegeben. Das Ätzen mit Salpetersäure hat den Vorteil, dass selbst bei sehr schwachen Konzentrationen der Ätzvorgang in relativ kurzer Zeit durchgeführt werden kann. Ätzzeiten können verständlicherweise nicht angegeben werden, weil zu viele nicht immer vorausbestimmbare Einflüsse beim Ätzen mitwirken. So sollte man es sich zur Regel machen, vor dem Ätzen der Druckplatte mit einem Abfallstück des selben Materials Probeätzungen durchzuführen.
      Beim Ätzen entstehendes Metallsalz löst sich wieder in der Säure, so dass kaum Rückstände auf der Platte verbleiben, die den weiteren Ätzvorgang stören könnten.
      Nachteilig wirkt sich bei stärkeren Konzentrationen der Säure die starke Gasentwicklung aus, die auch zu einer ungleichmäßigen Ätzung führen kann (unscharfe Ätzränder). Ebenfalls besteht die Gefahr, dass der Ätzgrund von der Säure unterwandert wird.

    Die Eisenchloridlösung

      Eine sehr gleichmäßig arbeitende Ätzflüssigkeit, bei der die Gefahr des Unterätzens sehr gering ist, findet man im Eisenchlorid. Das Eisen-II-chlorid (FeCl2 * 4 H20) besteht aus blaugrünen, monoklinen, zerfließenden Kristallen, von denen sich bei einer Temperatur von 20 C 68,5 g in 100 g Wasser lösen. Eisen-II-chlorid geht allmählich bei längerem Lagern in Eisen-III-chlorid (FeCl3) über. Diese schmutzig-gelben, zerfließenden kristallinen Stücke lösen sich bei 20 C im Verhältnis 1 : 2 in Wasser. Bevor man in Eisenchlorid ätzt, taucht man die Radierplatte einige Sekunden in mäßig starke Salpetersäure (spez. Gewicht ca. 1,0800), um später ein gleichmäßiges Einwirken der Eisenchloridlösung zu garantieren.
      Während des Ätzens mit Eisenchloridlösung (sehr lange Ätzzeiten!) taucht man die Platte zwischendurch mehrmals für kurze Zeit in Salpetersäure, um den ent-stehenden Belag zu entfernen. Beim Ätzen mit Eisenchloridlösung bilden sich Ätzrückstände an den Ätzstellen, die sich nicht lösen und den Ätzvorgang behindern. Deshalb legt man die Platte im Ätzbad mit der Ätzfläche nach unten auf dreikantige Holz- oder Plastikstäbchen. So können die Rückstände nach unten sinken.

    Das Holländische Bad (nach C. Fleck)

      Zum gleichmäßigen Ätzen von Kupfer, Zink und Messing ist das sog. Holländische Bad besonders zu empfehlen. Die Ätzwirkung dieser Lösung ist vergleichbar mit der des Eisenchlorid, bedingt aber nicht so extrem lange Ätzzeiten. Das Holländische Bad besteht aus:
    520 Raumteilen Wasser
    300 Raumteilen Salzsäure
    180 Raumteilen Kaliumchlorat.

    Säurekonzentration und Plattenmaterial

      Nachfolgend werden von den gebräuchlichen Ätzflüssigkeiten die Dichte in Beaumé- Graden und das spez. Gewicht angegeben, unter Berücksichtigung des zu ätzenden Plattenmaterials.

    Salpetersäure (HN03)
    Ätzen von Kupfer:
    24 Be = spez. Gewicht 1,1995
    Ätzen von Messing:
    16 Be = spez. Gewicht 1,1247
    Ätzen von Zink:
    5-12 Be = spez. Gewicht 1,0359-1,0907
    Ätzen von Eisen:
    5-15 Be = spez. Gewicht 1,0359-1,1160
    Entstahlen von Kupferplatten:
    6-8 Be = spez. Gewicht 1,0434-1,0587

    Eisenchloridlösung
    Ätzen von Kupfer:
    27 Be = spez. Gewicht 1,2302
    Ätzen von Messing:
    20 Be = spez. Gewicht 1,1609
    Ätzen von Zink:
    16 Be = spez. Gewicht 1,1247
    Ätzen von Eisen:
    13 Be = spez. Gewicht 1,0990

    Holländisches Bad (nach C. Fleck)
    Ätzen von Kupfer:
    25-28 Be = spez. Gewicht 1,2096-1,2408
    Ätzen von Messing:
    18-22 Be = spez. Gewicht 1,1425-1,1799
    Ätzen von Zink:
    12 Be = spez. Gewicht 1,0907
    Ätzen von Eisen:
    10 Be = spez. Gewicht 1,0745

    Ansetzen der Ätzflüssigkeiten

      Zum Ansetzen eines Säurebads ist es ratsam, erst Wasser in eine Säurebehälter zu füllen und dann die Säure sehr langsam, unter ständigem Umrühren, hinzuzugeben. Zwischendurch wird immer wieder eine Probe entnommen und mit dem Aräometer in einem ausreichend großen Standzylinder auf die vorgesehene Dichte hin kontrolliert.
      Wenn die Säure die erforderliche Dichte erreicht hat, löst man in 1 Liter Säure ungefähr 1 Gramm des Metalls, welches in der Säure geätzt werden soll. Grundsätzlich sollte man für jedes ätzende Metall eine gesonderte Ätzlösung ansetzen.

    Vorsichtsmaßnahmen

      Aufbewahrt wird die Säure in dafür vorgesehene Giftflaschen, die beschriftet sein müssen. Während der Arbeit mit Säuren und anderen Ätzflüssigkeiten trägt man eine Schutzbrille, eine Gummischürze und Gummihandschuhe!
      Der Ätzraum sollte vom Druck- und Arbeitsraum getrennt sein und muss neben einer ausreichend großen Wasserspülanlage auch mit einer Säureabzugsvorrichtung ausgerüstet sein. Küchenabzugshauben im Ätzraum über der Spülanlage eingebaut, leisten gute Dienste. Jede Säureverletzung, besonders an Augen und Schleimhäuten, hat meist sehr unangenehme Folgen. Im Augenblick der Verletzung spült man sofort mit reichlich viel Wasser und neutralisiert mit Borwasser. Danach möglichst bald den Arzt aufsuchen!
      Frische Säureflecken auf Kleidungsstücken neutralisiert man mit Salmiakgeist und spült mit viel Wasser nach.
      Holz sollte nicht mit Salpetersäure in Berührung kommen, weil giftige Nitrose- Dämpfe entstehen.

    Das Ätzen der Druckplatten

    Ätzen von Linien

      Radierplatten mit fertiger Zeichnung werden in die für die Ätzung vorgesehene Ätzflüssigkeit gelegt und während des Ätzvorgangs ständig beobachtet. Sobald an den Ätzstellen kleine Gasbläschen aufsteigen, streift man mit dem Ätzpinsel leicht über die Platte, um die noch haftenden Gasbläschen zu entfernen. Dadurch erreicht man eine gleichmäßige Ätzung.
      Zwischendurch sollte man die Platte aus der Säure nehmen, mit Wasser abspülen und unter der Lupe kontrollieren. Bei diesen Kontrollen ist besonders auf dicht radierte Stellen zu achten, damit diese nicht durch zu langes Ätzen von der Säure unterätzt werden.
      Um unterschiedliche Linienqualitäten zu erhalten, wird das stufenweise Ätzen empfohlen. Hierbei werden Linien, die zart erscheinen sollen, nach Unterbrechung des Ätzvorganges (gründliches Abspülen der Platte mit Wasser!) mit Asphaltlack abgedeckt. Die abzudeckenden Stellen müssen trocken sein! Dann wird die Platte wieder in das Säurebad gelegt, um die übrigen Stellen weiterzuätzen.
      Nach Abschluss des Ätzvorganges wird die Platte längere Zeit unter fließendem Wasser gründlich abgespült. Schließlich wird die Radierschicht mit Testbenzin entfernt. Die Platte ist nunmehr fertig zum Probedruck.

    Korrekturen

      Unterbrochene Ätzstellen weisen darauf hin, dass an diesen Stellen die Radierschicht nicht ganz entfernt war oder dass dort Fettstellen das Einwirken der Säure verhindert haben.
      In solchen Fällen ist trotz mancher Empfehlungen von einem Aufätzen abzuraten, weil die Ergebnisse nie befriedigen. Stattdessen sollte man sich die Mühe machen, die unterbrochenen Stellen mit dem Grabstichel nachzustechen. Das gleiche gilt auch für die Behandlung unscharfer Ätzränder.

    Goya (2.3k) Österreichische Grafik


    DAS AQUATINTAVERFAHREN

      Tonwerte vom tiefen Schwarz bis zum hellsten Grau, stufenweise abgegrenzt oder auch stufenlos verlaufend, lassen sich durch das Aquatintaverfahren erreichen. Dieses Verfahren erschließt der Radierung, in Verbindung mit dem im vorigen Kapitel beschriebenen Strichätzverfahren, fast alle Möglichkeiten zeichnerischer und malerischer Ausdruckswerte. Bei der Kombination von Aquatinta -und Strichätzverfahren sollte unbedingt erst die Strichätzung durchgeführt werden. Erst wenn alle Linien geätzt sind, wird die Platte nochmals gründlich gereinigt und entfettet, wie im Radierung Kapitel beschrieben; dann können die Aquatintaflächen vorbereitet werden.

  • Abdecken bzw. Aussprengen

      Zwei Verfahren können bei der Aquatinta eingesetzt werden. Die einfachste Methode ist die des Abdeckens aller Flächenteile, die nicht geätzt werden sollen. Hierbei wird mit einem Pinsel auf die nicht zu ätzenden Flächen Asphaltlack aufgetragen. Dann wird, wie weiter unten beschrieben, die ganze Platte mit Korn bestäubt und anschließend geätzt.
      Beim Aussprengverfahren werden mit einer wasserlöslichen Tusche, der man ein Zehntel je Gewichtsanteil Zucker beimischt, die für die Ätzung vorgesehenen Flächen abgedeckt. Nach dem Trocknen der Tusche wird auf die gesamte Plattenoberfläche eine Radierschicht aufgetragen. Wenn die Radierschicht auch gut durchgetrocknet ist, werden die mit Tusche gezeichneten Partien unter fließendem Wasser ausgesprengt, d. h. die Tusche löst sich mit der darrüberliegenden Radierschicht von der Platte. Mit einem weichen Pinsel kann man diesen Vorgang beschleunigen. Jedoch sollte man eine Berührung mit den Fingern vermeiden. Danach wird die Platte mit dem Fön getrocknet, Korn aufgestäubt, angeschmolzen und normal geätzt.

  • Aufstäuben des Korns

    In dem Aquatintakasten wird die Platte mit Asphaltkorn oder besser noch mit pulverisiertem Kolophonium bestäubt. Nach dem Aufwirbeln des Kolophoniums im Kasten setzt sich zuerst das grobe Korn ab. Je länger man wartet, desto feiner wird das herabsinkende Korn. Man kann also nach einigen Versuchen selbst entscheiden, wann die Platte in den Kasten gelegt werden soll. Nach Wunsch erhält man dann ein grobes, mittleres oder auch feines Korn. Man sollte jedoch schon jetzt bedenken, dass ein feines Korn beim Drucken empfindlicher ist und eine geringere Auflagenhöhe zulässt als ein gröberes Korn.
      Hingegen ermöglicht ein feineres Korn differenziertere Grautöne. Beim Aquatinta ist ein Entfetten sowohl der Vorder- als auch der Rückseite anzuraten. Die dünnste Fettschicht verhindert ein gutes Haften des Kolophonium- oder Asphaltstaubes und ein gleichmäßiges Angreifen der Säure. Das Ergebnis sind unruhige und fleckige Flächen.

  • Aufschmelzen des Korns

      Nach Aufstäuben des Korns wird die Platte so stark erhitzt, dass das Korn schmilzt und tröpfchenförmig auf der Platte haftet. Nicht angeschmolzenes Korn erscheint weißlich-matt. Bei Erhitzung der Platte, möglichst gleichmäßig über der Gasflamme, ist das Korn dann angeschmolzen, wenn die Fläche glasig wird. Vorsicht, nicht zu lange und nicht zu heiß anschmelzen, da sonst das Korn verbrennt. Die Dichte des Korns kontrolliert man unter der Lupe. Das Korn sollte so dicht liegen, dass die Zwischenräume nicht größer als das haftende Korn sind (Verhältnis 1 : 1 ). Dichteres Korn wird nach dem Druck sichtbar.

  • Ätzen in Stufen

      Vor dem Ätzen empfiehlt es sich, Ätzproben auf einem Plattenstreifen (Abfall), der das gleiche Korn aufweist wie die Platte, durchzuführen. Denn die Ätzwirkung der Säure ist von so vielen unbestimmbaren Faktoren abhängig, dass gerade bei der Aquatintaätzung unterschiedliche Ergebnisse immer zu erwarten sind. Nach jedem Ätzvorgang sollte man die Platte gründlich unter fließendem Wasser abspülen. Wenn eine Partie tief genug geätzt ist, wird sie mit Asphaltlack abgedeckt, und die anderen Partien werden dann weitergeätzt (stufenweißes Ätzen). Je länger man ätzt, desto dunkler erscheint im Druck die Fläche.
      Kontinuierliche Tonwertübergänge innerhalb einer Fläche erzielt man entweder mit dem Ätzpinsel, indem man die Partien, die tiefer geätzt werden sollen, länger mit Säure benetzt, oder durch vorsichtiges Schaben oder Polieren der Ätzstufenübergänge.
      Nach Abschluss des Ätzvorgangs wird die Platte gründlich gereinigt und das Korn mit Brennspiritus entfernt. Danach kann gedruckt werden.

  • Spritzverfahren

      Das Aufschmelzen des Korns ist nicht das einzige Verfahren der Aquatinta. Ebenso kann man auch mit der Spritzpistole dünnflüssigen Asphaltlack aufsprühen. Ein unregelmäßiges Korn erhält man auch durch Aufsprühen von Ätzgrund (Gravosil) mit der Fixativspritze. Durch Schütteln eines mit Kolophoniumstaub gefüllten Beutels, der durch Übereinanderlegen mehrerer Schichten Nylon- oder Mullgaze hergestellt werden kann (Damenstrumpf, Verbandsmull), setzt sich auf der Platte ein unterschiedlich großes Korn ab. In Alkohol gelöstes Harz soll auch ein ätzbares Korn ergeben, jedoch ist diese Methode unzuverlässig.

  • Verschiedene Schmelzverfahren des Korns

      Durch unterschiedliches Anschmelzen des Korns kann man verschiedene Wirkungen im Druck erzielen. So bildet sich beim längeren Anschmelzen das sog. Würmchenkorn, weil die geschmolzenen Kolophoniumtröpfchen würmchenförmig zusammenlaufen. Wenn das Korn sehr grob war, ist diese Würmchenstruktur im Druck sichtbar. Eine eigenartige Streifenstruktur im Druck entsteht dadurch, daß kurz nach dem Anschmelzen des Korns ein Pappstreifen über die Platte gezogen wird, der das Korn streifenförmig verwischt. Allerdings darf hierbei das Korn nicht zu dicht aufgestäubt sein. Wellenförmige Bewegungen mit dem Pappstreifen führen zu einer Abwandlung der Streifenstruktur. Interessante Wirkungen lassen sich auch erzielen, indem man das nicht angeschmolzene Korn auf der Platte mit einem trockenen Pinsel oder mit Brennspiritus und Pinsel beeinflusst und dann erst anschmilzt. Vorsicht, erst anschmelzen, wenn der Spiritus ganz verflogen ist, da sonst die Oberfläche zu leicht Feuer fängt.

  • Retuschieren

      Sollte eine Aquatintafläche versehentlich zu tief geätzt sein, so kann man die Wirkung für den Druck mildern, indem man die gekörnten Flächen mit Nitro-Klarlack ausfüllt. Verätztes Korn (flaue oder streifige Partien) kann neu geätzt werden, wenn zum zweitenmal ein Korn, dieses Mal ein gröberes, aufgestäubt wird. Der Ätzvorgang dauert etwas länger als beim erstenmal.

  • Andere Flächenätzungen

      Ein Krakelee erhält man dadurch, dass Nitro-Reißlack aufgetragen und nach dem Trocknen wie Korn geätzt wird. Dieses Verfahren lässt sich auch mit der Kornätzung kombinieren, ist aber nur wirksam, wenn für das Krakelee eine wesentlich längere Ätzzeit als für das Korn vorgesehen wird. Eine mit Radierschicht grundierte Platte kann auch ein ätzbares Korn erhalten, indem man in die Radierschicht mit dem Roulette, Moulette oder mit dem Mattohr hineinarbeitet und anschließend ätzt. Auf diese Weise kann man innerhalb einer Fläche unterschiedlich dichtes Korn erhalten. Für dieses Verfahren müssen die Radierschicht dünn aufgetragen und die Werkzeuge zwischendurch immer wieder in Testbenzin gereinigt werden. Innerhalb einer groben Kornfläche kann man das sichtbare Korn an einzelnen gewünschten Stellen durch das Moulette teilen, so dass diese Partien im Druck kornlos und einheitlich samtig-schwarz erscheinen.

  • Aquatinta und Weichgrundätzungen

      Hier spielt sich derselbe Vorgang ab wie beim Ätzen von Linien, nur dass die Säure eine geringere Dichte haben sollte. Auch bei diesem Verfahren kann stufenweise geätzt werden. Das Abdecken bereits geätzter Partien muss äußerst sorgfältig mit einem möglichst dickflüssigen Asphaltlack erfolgen.
       Während des Ätzvorgangs wird die Gasbläschenbildung mit einem sehr weichen Ätzpinsel immer wieder unterbrochen. Geschieht dies nicht, so erhält man bei der Aquatintaätzung ein gröberes, unregelmäßiges Korn, was sich beim Druck nachteilig auswirkt.
       Wenn man bei der Weichgrundätzung darauf verzichtet, von flächenhaften Partien die Gasbläschen zu entfernen, so entsteht eine sog. Ringätzung, d. h. im Druck erscheinen in der geätzten Fläche kleine graue, scheibenförmige Gebilde, die von einem dunkleren Ring umgeben sind. Manchmal kann man diese interessante Wirkung mit Absicht einsetzen.
       Beim Ätzen mit Eisenchloridlösung bilden sich an den Ätzstellen keine Gasbläschen, so dass der oben beschriebene Effekt ausbleibt.

    Text: Der Kupferdruck von Siegried E. Fuchs
    Fotos: Das große Lexikon der Graphik, Tigris Verlag GmbH


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